Was ist eigentlich Fairer Handel?

Erklärt man fairen Handel, muss man zuerst wissen, was konventioneller Handel - normaler Handel ist, wie man ihn definiert, wie er funktioniert:

Handel setzt zuerst einmal Produktion von Gütern voraus, in Dritte-Welt-Ländern ist das aufgrund der Bedürfnislage und des geringen technischen Fortschritts vor allem die Produktion von Nahrungsmitteln. Zeiten starker Abhängigkeit von den Industriestaaten, beginnend während der Zeit der Kolonialisierung haben eine Schieflage zwischen der Produktion an Nahrungsmitteln und deren Ausrichtung an den Bedürfnissen der Menschen gebracht. So wird in einigen Ländern vermehrt auf den Anbau einer weltmarktfähigen Frucht gesetzt, z. B. Kaffee, Bananen. Dabei gehen traditionelle Anbauweisen, die Vielfalt der angebauten Kulturen und die Unabhängigkeit durch die Eigenversorgung verloren. Art und Ursache für Armut kann sich deutlich unterscheiden. Die Abhängigkeit vom Weltmarkt ist jedoch immer ein verstärkender Faktor (z. B. Rohstoffpreise).

Konventioneller Handel basiert auf dem marktpolitischen Prinzip Angebot und Nachfrage. Ist die Nachfrage groß, wird das Angebot erhöht, es wird z. B. mehr angebaut, soviel bis das Angebot an Ware größer ist als die Nachfrage. Der Preis fällt dabei kontinuierlich. Der Preis reguliert sich soweit nach unten, wie es das Angebot erlaubt. Er richtet sich keinesfalls an der Deckung von Mindestbedürfnissen aus. Daraus erklärt sich, daß z. B. Kaffeebauern, obwohl sie 16 Stunden täglich arbeiten, ihre Familie nicht ernähren können. Die Wachstumsraten dieser Länder können dabei durchaus stetig steigen. Die sozialen und ökologischen Folgen stehen dem entgegen. Diese Umstände haben den Gedanken des fairen Welthandels geboren.

Fairer Handel ist vor allem an der Durchsetzung menschenrechtlichen Mindeststandards und der Befriedigung von Mindestbedürfnissen für alle Menschen dieser Welt ausgerichtet, daß heißt jeder Mensch hat Anspruch auf Nahrung, Kleidung, Unterkunft und Bildung, innerhalb eines sozialen Umfeldes.

Im Rahmen des Fairen Handels werden Projekte in den Dritte-Welt-Länder gefördert. Dabei wird Wert darauf gelegt, daß diese Projekte selbst organisiert und es nur eine Mithilfe bei deren Aufbau und beim Absatz von Produkten in den Industrieländern gibt.

Für den preisbewussten Käufer ist der alternative Handel jedoch nicht geschaffen. So ist z. B. alternativ gehandelter Kaffee teurer als die meisten Handelsmarken. Der höhere Preis wird durch den Anspruch gerechtfertigt, bei den Erzeugern zu einer höheren Lebensqualität beizutragen. Praktisch sieht das so aus, das z. B. alternative Handelsorganisationen mit den Erzeugern, das können Produktionsgenossenschaften, Kooperativen u.ä. sein, jährlich einen Preis aushandeln, der von den Produktionskosten abhängt. Damit sind diese Genossenschaften vor den schwankenden und sehr geringen Weltmarktpreisen geschützt. Der Absatz durch den Verbund alternativer Handelsorganisationen garantiert, dass die Erzeuger (z. B. Kleinbauern) von einem relativ stabilen Markt profitieren und ihre Preise damit von ihren wirklichen Produktionskosten bestimmt werden.

Der Verbraucher am anderen Ende dieser Vermarktungskette kann seine Tasse Kaffee mit dem Bewußtsein genießen, daß der höhere Preis, den er gezahlt hat zu einer höheren Lebensqualität der Bauern in den Erzeugerländern beiträgt.

Alternativer Handel bewegt sich noch immer am Rande im Vergleich zum gesamten Welthandel, wenngleich er zweifelsohne zunimmt und er zeigt uns, wie Welthandel basierend auf mehr Gleichheit zwischen Nord und Süd funktionieren könnte. Mit seinem geringen Anteil am Welthandel stellt der alternative Handel jedoch längst noch keine Bedrohung für das Welthandelssystem dar und nicht zuletzt keine wirkliche Alternative für die Mehrheit der Produzenten. Dazu müßten sich erst die Absatzchancen in den reicheren Ländern erhöhen.

Die Herausforderung für einen gerechteren Welthandel liegt also vor allem darin, das alternative Modell zu verbreiten und den Fairen Handel zu einem Bestandteil allgemeiner Handelsaktivitäten zu machen.